Nice to meet me
Allgemeines

Hört auf, Euch zu vergleichen!

Oder – die Sache mit der Vorgeschichte. Erst heute ist es mir wieder passiert und viele von Euch kennen es vermutlich auch: Als ich den erfahrenen Bowl-Fahrern so zugesehen hab, hab ich gedacht “So ein Mist! Die fahren SO gut und schau mich an.. Gerade  mal die eine Kurve geschafft und dann schon wieder rausgeflogen”. Und ich habe gemerkt,  wie für einen kurzen Augenblick mein Spaß-Level ganz plötzlich von 100 auf Null gefallen ist. Ähnliches passiert mir auch sehr oft, wenn ich z.B. Youtube-Videos von richtig guten Freestylern sehe..

Wenn Ihr das so  lest, denk Ihr Euch vielleicht: “Was erwartet sie denn? Skatet gerade ein Jahr und ein paar Monate und vergleicht sich mit Skatern, die  schon 20 Jahre oder sogar mehr Erfahrung haben? Nicht ihr Ernst, oder?”.

Genau das hab ich mir dann nämlich – glücklicherweise bereits kurze Zeit später – auch gedacht und – Tadaaa! – plötzlich war ich wieder sehr stolz auf meine eine Bowl-Kurve (die zu schaffen ist nämlich auch harte Arbeit!) und der Spaß war auch sofort wieder da.

Auf dem Heimweg vom Skatepark habe ich mir echt noch viele Gedanken gemacht,  warum wir immer wieder in diese Falle tappen.. Genau sagen kann ich es Euch leider auch nicht.  Aber ich kann Euch jetzt immerhin drauf aufmerksam machen und Euch dann – gedanklich  – schütteln und Euch sagen – “Hört auf damit,  es bringt rein GAR NICHTS und nimmt Euch nur jegliche Freude. Und viel Energie, wenn Ihr Euch über Euch selbst ärgert wegen völlig unrealistischen Vorstellungen. (Auch hier spreche ich aus Erfahrung.. Ups..).

 

Die Sache mit der persönlichen Vorgeschichte

Mal abgesehen von diesen großen – und offensichtlichen! – Unterschieden, wenn man Skate-Anfänger mit Skate-Profis vergleicht, gibt es aber noch eine andere, nicht minder große Gefahr: Wir vergessen sehr gerne, dass jeder Mensch ja bereits X Jahre gelebt hat und deshalb seine ganz eigene Geschichte mitbringt. Neben einem ganz eigenen Körper, in den wir natürlich auch keinen Einblick  haben. Nur so nebenbei bemerkt.

Ein kleines Beispiel: Während meiner Yogalehrer-Ausbildung vor ein paar Jahren gab es eine Freundin dort,  die UNGLAUBLICH gelenkig war und wirklich alle Haltungen mit Bravour und Grazie meistern konnte. Und ich dann auf der Matte daneben. Ganz toll.  Man muss fairerweise sagen, dass ich auch nicht ganz ungelenkig war, weil ich zu dem Zeitpunkt schon einige Jahre Kung Fu-Training mit viel Stretching auf dem Buckel hatte, aber zu IHR haben mir Meilen gefehlt. Wirklich Meilen. Anstatt mich jetzt auf mich zu konzentrieren, hab ich immer wieder zu ihr rüber geschielt, ihren Yogastil bewundert und mich über mich und meinen Körper geärgert, warum das bei mir nicht auch so aussieht. Irgendwann habe ich dann erfahren, dass sie Ballett tanzt, seit sie 4 Jahre ist. Kein Wunder also, dass sie so gelenkig ist! Das sind ja ganz andere Grundvoraussetzungen! Ich hatte einfach völlig vergessen, dass eben jeder eine Geschichte hat und die prägt uns eben – ob wir wollen oder nicht.  Jetzt gar nicht unbedingt nur psychologisch gesehen, sondern auch einfach rein physiologisch. Das hab ich damals zum ersten Mal begriffen. Ich war mir dessen nicht bewusst. Damals. Gedanklich bin ich irgendwie einfach davon ausgegangen, dass wir alle komplett bei Null starten, wenn wir etwas Neues lernen (Skaten, Yoga, Zeichnen oder was auch immer). Tun wir aber nicht. Niemals. Und das weiß ich jetzt und manchmal muss man sich wieder dran erinnern.

 

Und was tun wir jetzt mit dieser Erkenntnis?

Tja, was soll man nun damit anfangen? Eigentlich ganz einfach – und das würde ich mir heute von Euch wünschen: Wenn wir uns das nächste Mal vergleichen oder uns über uns und unsere vermeintliche Unfähigkeit ärgern, dann erinnern wir uns an diesen Blogpost und fangen umgehend damit an, wieder stolz auf uns selbst, unsere Fortschritte und unsere Vorgeschichte zu sein. 

Es ist nichts falsch daran, Vorbilder zu haben, sich an bestimmten Menschen zu orientieren (das mache ich selbst auch und es hilft mir sehr, weil es mir eine “greifbare” Richtung gibt, in die ich mich entwickeln möchte) oder eigene Schwächen zu identifizieren und daran zu arbeiten. Nur lasst es nicht ins Negative umschlagen, sondern behaltet  Euren Spaß. Und werft auch mal einen Blick auf Eure Stärken bzw. das, was Euch besonders viel Spaß macht (das ist nämlich meistens das, was Euch entspricht und was Ihr weiter verfolgen solltet. Ups, jetzt bin ich doch ins Psychologische abgerutscht). In meinem Yoga-Beispiel von oben hat sich nämlich rausgestellt, dass ich mich aufgrund meiner Kraft leicht tue bei Armbalancen (im Gegensatz zu unserer Ballet-Freundin) und irre Spaß dabei habe und gut bin. Oder beim Skaten liegt mir  einfach Freestyle mehr als Street, weil ich gerne akrobatische (?) Dinge ausprobiere und eher Angst vor der Geschwindigkeit habe. Also konzentriert Euch auf das, was Euch Spaß macht und der Rest kommt dann von alleine. Und nicht vergessen  – niemand fängt wirklich IRGENDETWAS von Null an – niemand. Auch Ihr nicht. Und das ist gut so.

Pic by Allison Meier

P.S. Wenn Ihr Euch für meine persönliche Vorgeschichte interessiert – schaut mal hier vorbei.

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